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Bildende Kunst

Eine Künstlerin berichtet

Liebste Freundin,

nun sitze ich hier auf gepackten Koffern und hab ganz vergessen, Dir von meinen Erlebnissen zu berichten. Es war aber auch immer was los hier und da bin ich einfach nicht dazu gekommen, Dir zu schreiben.

Ich bin nun froh, dass Du mir den Platz hier im Acrylmalkurs überlassen hast, obwohl ich weiß, dass Du lieber selbst gefahren wärst. Des einen Leid, des anderen Freud, sprach meine Oma dann.

Danke für den Tipp, den schweren Koffer mit dem DB-Gepäckservice vorzuschicken. So bin ich mit kleinem Gepäck in Bad Salzuflen angereist und bei strömendem Regen bis zur Villa Dürkopp gelaufen, obwohl auch ein Bus fuhr. Den hätte ich aber erst suchen müssen und der Regen war vorsommerlich warm. Die freundliche Dame an der Rezeption fand das dann schon absonderlich, hat mich trotzdem in die Gepflogenheiten des Hauses eingeweiht und ich konnte Dein schönes Zimmer beziehen, groß und hell, gerade richtig für Malende. Dass ich, nachdem ich einigermaßen trocken war, gleich nochmal im Regen in den Ort musste, verschweig ich lieber. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen.

Zum Abendessen in der stilvollen Villa traf ich dann auf mein/Dein Kollegium. Ich war die einzige „Neue“ in der Runde, wurde aber mit viel Herzlichkeit und Interesse aufgenommen. Viele haben nach Dir gefragt und die vielen Grüße habe ich Dir ja schon geschickt. Du wurdest vermisst.

Das Buffet war üppig und auch die anderen Tage für mich, als Nichtfleischesserin, sehr abwechslungsreich.Liebste Freundin,

 

 

 

 

I

Suse_Villa

Abends trafen wir uns alle im Malraum. Der war sehr praktisch und fürsorglich hergerichtet, so dass er allen malerischen Exzessen standhalten konnte, ohne dass Schaden in dem frisch renovierten Saal zu befürchten war. Es war zu merken, dass hier erfahrende Organisatoren Hand angelegt hatten.

Klaus Klein hat uns locker über seine/unsere Pläne für die nächsten Tage informiert und ich war nun noch gespannter, was mich erwarten würde.

Am nächsten Morgen ging es dann los, Spiegel raus und sich selbst skizzieren. Das ging noch ganz gut. Aber dann mit Gelb, Rot und Blau Flächen entsprechend der Helligkeit im Gesicht belegen?Das war erst mal befremdlich. Letztendlich hat es mir aber geholfen, ein ordentlichen Versuch zu gestalten. In Auswertung unserer Schwierigkeiten haben wir dann Gesichtsdetails geübt. Auge, Nase, Mund.

Klaus' Credo: Malt was ihr seht, blos kein Auge, keine Nase keinen Mund. Das war für mich eine tolle Lektion, hinsehen und malen, weg von den Bildern, die schon im Kopf geprägt sind.

In den nächsten Tagen brach der Sommer über uns herein. Eine gute Gelegenheit, in der Natur zu  zu lernen, das Gesehene zu skizzieren um es dann mit  Acrylfarbe aufs Bild zu bringen. Wir mussten uns beeilen, die Magnolien auf die Leinwand zu bannen, die Sommerhitze ließ die Blütenblätter schneller fallen, als wir die Farben mischen konnten und auch die anderen Malobjekte veränderten ihr Aussehen rasant.

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Ulla_Portrait

Nachmittags nutzten wir das tolle Wetter, um die Angebote in der Kurstadt zu nutzen. Wenn wir Eis essend am Gradierwerk saßen, haben wir den Genuss mit dem Gesundheitsaspekt tarnen können. Auch in der Salzgrotte und im Solenebel waren wir mehrmals, allerdings ohne Eis. Die zahlreichen Cafés lockten uns natürlich erfolgreich und anschließend genossen wir die aufblühende Natur im Kurpark bei langen Spaziergängen mit der Suche nach geeigneten Malmotiven.

Nach dem Abendessen fanden sich stets ein paar Malwillige wieder in unserem großen Atelier ein, um weiter das vormittags Gelernte zu üben. Dabei wurden Märchen für Erwachsene und Gedichte gelesen. Da war sehr inspirierend, entspannend und die Abende vergingen kurzweilig.

Ich hoffe, nun verstehst Du, dass ich keine Zeit hatte, Dich vorher umfassend zu informieren. Am Besten Du kommst bald wieder mit, ich habe mich auch schon für einen Malkurs auf Sylt angemeldet.

Bis bald dann zu Hause

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